Palliativbeauftragte

Den folgenden Bericht über unsere Palliativbeauftragte haben wir der HNA vom 01-12-2018 entnommen. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der HNA

Mittlerin in schwerer Zeit

Wochenendporträt: Tina Schmidt ist neue Palliativbeauftragte im Kreiskrankenhaus Rotenburg

Sie ist im Kreiskrankenhaus Rotenburg ansprechbar für Patienten, Angehörige und Personal: Palliativbeauftragte Tina Schmidt kümmert sich um Schwerstkranke und ihre Probleme. © Foto: Silke Schäfer-Marg

Rotenburg. Wenn ein Leben mit schwerer Krankheit dem Ende zu geht, wenn man diese letzte Phase als Betroffener oder Angehöriger erleben muss, ist das extrem belastend.

Emotional, aber auch rein praktisch. Im Kreiskrankenhaus Rotenburg steht nun Tina Schmidt als Palliativberaterin Patienten, Angehörigen und Pflegepersonal und Ärzten zur Seite. Sie versteht sich als Mittlerin zwischen allen Beteiligten.

Ihr Arbeitsplatz wird getragen vom Regionalen Hospizverein Rotenburg, der auch zuerst die Notwendigkeit einer solchen Stelle erkannt hat. „Jeder zweite Mensch stirbt heute im Krankenhaus“, sagt Vorsitzende Ursula Dangschat. Deshalb sei es wichtig, dass es vor Ort eine Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die letzte Lebensphase gibt.

Tina Schmidt stammt aus der Nähe von Fulda und hat in Rotenburg ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolviert. Nach einer längeren Familienpause war sie 1999 in ihren Beruf zurückgekehrt. „Mit Leib und Seele“ sei sie Krankenschwester, sagt sie. Doch gerade im alltäglichen Umgang mit Schwerstkranken und ihren Angehörigen hat die 57-Jährige Handlungsbedarf gesehen. „Im Alltag können Pflegende oft nicht so angemessen auf die Betroffenen eingehen, wie sie es gerne tun würden.“

Vor zehn Jahren schon hat Tina Schmidt die Weiterbildung zur Fachpflegerin für palliative Versorgung (Palliativ Care) absolviert. „Ich habe versucht, möglichst viel daraus mit in den Pflegealltag zu nehmen“, erzählt sie.

Das lateinische Wort palliare bedeutet ummanteln, umsorgen – und darum geht es auch. Den Schwerstkranken soll eine möglichst hohe Lebensqualität bis zum Ende ermöglicht werden, darunter auch Schmerzminderung, bestenfalls -befreiung.

Tina Schmidt spricht mit Kranken und ihren Angehörigen. Auch im Bereich Seelsorge hat sie sich weitergebildet. Zuhören, ermutigen, begleiten, achtsam und respektvoll mit dem Schwerstkranken umgehen – „das ist mir eine Herzensangelegenheit“. Sie versucht herauszufinden, was zu tun ist, um die letzte Phase gut zu gestalten. Ihr hilft dabei, dass das Kreiskrankenhaus keine große Klinik ist. Man kennt sich, vieles ist unter einem Dach: Der Sozialdienst, der Hilfsmittel und einen Pflegedienst organisieren kann, wenn der schwerkranke und austherapierte Mensch lieber nach Hause möchte, der Hospizverein, dessen ehrenamtliche Helfer Sterbebegleitung und Begleitung der Angehörigen leisten können. Tina Schmidt kann all diese Dienste einschalten und so die Betroffenen entlasten, die oft hilflos vor der Situation stehen.

Auch für Ärzte und Pflegepersonal ist die Arbeit von Tina Schmidt eine Entlastung, sagt Personalleiterin Karla Krause-Heid. Weil Tina Schmidt nicht mehr selbst im Pflegedienst ist, kann sie auch von außen auf die Situationen schauen. „Ich kann auch mal kritische Fragen stellen. Zum Beispiel: Ist das noch sinnführend, was jetzt medizinisch unternommen werden soll.“ Und sie kann auch niedrigschwellig „übersetzen“ und erklären, was Angehörige oder Patienten in medizischen Angelegenheiten nicht verstanden haben.

Seit September arbeitet Tina Schmidt als Palliativberaterin. Jeden Tag ist sie im Kreiskrankenhaus unterwegs. Dadurch hat sie auch beim Personal das Bewusstsein geschärft, dass es nun noch jemanden gibt, der sich um Patienten kümmert – aber eben anders. Das Personal kann sie immer einschalten – auch früh, sobald eine Entwicklung absehbar ist. Nimmt sie „Fälle“ innerlich mit nach Hause? Nein, sagt sie. Schon als Krankenschwester hat sie sich eine professionelle Distanz angeeignet, ohne die den Menschen zugewandte Grundhaltung aufzugeben. Und wenn ihr trotzdem mal eine Situation nicht aus dem Kopf gehen will, setzt sie sich zu Hause an ihre Nähmaschine: „Beim Nähen kann ich richtig abtauchen“, weiß Tina Schmidt.

Kontakt: Die Palliativberaterin ist telefonisch erreichbar unter 06623/86 1960.

Zur Person:

Tina Schmidt (57) ist in Langenschwarz bei Fulda aufgewachsen, machte in Hünfeld Abitur und begann dann am Kreiskrankenhaus in Rotenburg ihre Ausbildung zur Krankenschwester. In Rotenburg hat sie auch ihren späteren Mann kennengelernt. Nach einer längeren Familienpause kehrte sie 1999 wieder in ihren Beruf als Krankenpflegerin zurück – ein Schritt, der ihr anfangs schwer viel, wie sie einräumt. Seit September arbeitet sie für den Hospizverein als Palliativbeauftragte im Kreiskrankenhaus. Mit ihrem Mann hat sie drei Söhne und zwei Enkel. Sie lebt mit ihrem Mann in Braach